Antimikrobielle Beschichtungen im Gesundheitswesen

Antimikrobielle Beschichtungen im Gesundheitswesen senken Infektionsgefahr

Wir leben in einer Welt voller Touch-Screens, überfüllten Zügen, Bussen, Krankenhäusern und so weiter. Antimikrobielle Beschichtungen sind gefragt wie nie. In der Schweiz infizieren sich jährlich hunderttausend Menschen im Gesundheitswesen. Ansteckungsgefahr droht im Krankenhaus: Da lauern Infektionen der Atemwege und Harnwege; besonders gefährlich sind invasive Infektionen. Auch in Altenheimen, Labors, Schulen und bei Lebensmittelverarbeitern hat Hygiene erste Priorität. Antimikrobielle Beschichtungen im Gesundheitswesen verhindern, dass Erreger (Bakterien, Pilze, Viren) an Flächen haften bleiben. Stattdessen werden Erreger von antimikrobiellen Beschichtungen sogar unschädlich gemacht. Da es immer mehr resistente Bakterien gibt, muss die Ansteckungsgefahr durch antimikrobielle Beschichtungen von Flächen und Gegenständen gesenkt werden.

Erfahren Sie in diesem Artikel, wie antimikrobielle Beschichtungen Ihre Wirkung entfalten und lernen Sie deren Anwendung im Gesundheitswesen kennen. Schliesslich werden einige wichtige Produzenten antimikrobieller Beschichtung für die Schweiz genannt.


Erreger in Krankenhaus und Labor mit antimikrobiellen Beschichtungen bekämpfen

Durch die sogenannte Tröpfcheninfektion schweben Speicheltröpfchen nicht nur in der Luft, sondern auf Flächen und Gegenständen haften bleiben und anschliessend über Hände in den menschlichen Körper gelangen. Grippe, Masern, Windpocken etwa werden so übertragen. Auch Kontaktinfektionen erfolgen nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch über Gegenstände. Antimikrobielle Beschichtungen enthalten Additive, welche entweder Mikroben binden oder bakterielle Proteine und Zellwände zerstören. So wird mikrobielles Wachstum gehemmt und Mikroben vernichtet. Die Additive sind:

  • Silber: Silber-Ionen sind das meistverbreitete antimikrobielle Additiv in Beschichtungen und Anstrichen. Es erhält das Erscheinungsbild der beschichteten Oberfläche, während es krankheitserregende Bakterien abtötet, ohne „gutartige“ probiotische Bakterien zu gefährden. Silberionen dienen ferner als Additiv für Nano-Coatings.
  • Kupfer: Kupferzusätze in Beschichtungen machen diese zu einem beispiellosen Mittel gegen Bakterien. Allerdings wird die Oberflächenerscheinung drastisch verändert. Kupfer ist deshalb nicht allzu häufig als antimikrobielle Beschichtung in medizinischen Einrichtungen vertreten. Häufiger trifft man es als Antifouling-Mittel an Schiffsrümpfen an.
  • Zink: Zink wehrt Bakterien in eher mässiger Weise ab. Aber es ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen Schimmel und Pilze. Aus diesem Grund eignen sich Zink-Additive hervorragend in Beschichtungen für pilz- und schimmelgeplagte Einrichtungen mit mittelmässigem Bakterienrisiko.
  • organische antimikrobielle Additive: Organische Additive sind Phenol-Biozide, quaternäre Ammoniumverbindungen und Fungizide. Sie alle reagieren eher als Schutz für die unterliegende Fläche als für die Menschen, die sie berühren.

3 Pluspunkte von antimikrobiellen Beschichtungen im Gesundheitswesen

Antimikrobielle Beschichtungen im Gesundheitswesen auf Boden und Wand

Antimikrobielle Beschichtungen im Gesundheitswesen sind oft auf Boden und Wand anwesend, daher müssen sie unbedingt nassabriebbeständig sein.

Um die Wirkung von Bioziden zu fördern, werden Beschichtungen stetig optimiert. Oberflächen, für welche die Behandlung mittels antimikrobiellen Beschichtungen besonders effektiv ist, sind Flächen, die oft aufgesucht, berührt beziehungsweise benutzt werden: Gehwege, Fussböden, Tresen, Türklinken und -schalter, Lichtschalter, Aufzugknöpfe, Treppenläufe, medizinische Instrumente und Geräte, Wagen und ähnliches. Für beste Funktionsgeigenschaften bieten antimikrobielle Beschichtungen zusätzlich zur Biozid-Wirkung:

  1. Chemische Beständigkeit: Umgebungen, in denen antimikrobielle Beschichtungen eingesetzt werden, werden in der Regel mit chemischen, aggressiven Reinigern sauber gehalten. Auch tropfende Desinfektionsmittel und dergleichen stellen einen Risikofaktor dar. Daher müssen antimikrobielle Beschichtungen besonders beständig gegen Chemikalien sein.
  2. Gute Hafteigenschaften: Antimikrobielle Beschichtungen bilden eine Sperre zwischen Substrat und Umgebung. Zu diesem Zweck müssen sie besonders gut haften und abdichten, damit keine Mikroben eindringen und sich in Zwischenräumen ansiedeln können. Letzteres ist vor allem bei Textilien wichtig.
  3. Abrasionsbeständigkeit: Antimikrobielle Beschichtung benötigt eine recht hohe (Nass-)Abriebbeständigkeit, mechanische Beständigkeit, das heisst also in erster Linie: Strapzierfähigkeit – oder die Widerstandskraft gegen Reibung und Abnutzung, so wie sie bei Wände, Fussböden, Türen etc. vorkommt.

Wichtigste Anwendungen von antimikrobiellen Beschichtungen im Gesundheitswesen

In allen Umgebungen, wo ein hohes Aufkommen von Mikroben und Krankheitserregern anzutreffen ist, bieten antimikrobielle Beschichtungen eine Senkung des Infektionsrisikos. Typische Anwendungen sind (öffentliche) Sanitärräume, Kantinen, im Lebensmittelsektor und eben im Medizin-, Pflege- und Gesundheitssektor.

Antimikrobielle Flächen im Innenraum

Antimikrobielle Beschichtungen verhindern die Ausbreitung von Bakterien im Innenraum. Für Krankenhäuser und Kliniken sind sie durchweg erforderlich. Die folgenden Flächen bergen ein erhöhtes Risiko für die Aufnahme/das Eindringen von Bakterien des Menschen:

  • HÄUFIG BERÜHRTE FLÄCHEN: Oft berührte Oberflächen sind Türklinken, Öffnungsmechanismen, Lift-Knöpfe, Lichtschalter und ähnliche Beschläge sowie Bettgestelle aus Metall. Hier spielt eine angenehme Ästhetik und Haptik ebenfalls mit. Für solche Fälle eignet sich die Pulverbeschichtung mit antimikrobiellem Pulverlack, welcher dank Additiven Erreger unschädlich macht.
    Mögliche Beschichtungen: Pulverlack mit antimikrobiellen Additiven; Ins Material integrierte Silber-Ionen.
    Beschichtung für Beschläge: antimikrobielle BioCote-Beschichtung auf Silber-Ionen-Basis
  • FUSSBÖDEN: Antimikrobielle Böden verhindern, dass Bakterien von aussen hereingetragen werden. Ausserdem wird die interne Verbreitung von Bakterien vermindert, da eine sehr glatte, fugenlose Oberfläche realisiert wird, auf der Bakterien nicht überleben, und die obendrein leicht und effektiv zu reinigen ist. Tropfende Chemikalien, Desinfektionsmittel und dergleichen dringen durch antimikrobielle Beschichtung nicht in den Untergrund ein.
    Mögliche Beschichtungen: Reaktionsharzbeschichtung, Polymerdispersion mit antimikrobiellen Additiven
    Beispiel zum Schutz von Kunststoffboden im med. Bereich: Dr. Schnell Ontop Hospital / Flowcrete Flowfresh

    Antimikrobielle Beschichtung im Labor

    Antimikrobielle Beschichtung im Gesundheitswesen beläuft sich auch auf Instrumente und Geräte

  • DECKEN UND WANDFLÄCHEN: Die Versiegelung von Wandflächen im Innenbereich bietet chemische Beständigkeit. Zudem wird die Verbreitung von Erregern unterbunden. So eignet sich antimikrobielle Decken- und Wandbeschichtung für Reinräume, Labore und Räume mit erhöhtem Hygieneauflagen als Kontaminationsschutz. Ansiedlung von Schimmeln, Pilzen wird unterbunden.
    Mögliche Beschichtungen: Kunstharzanstrich, Zink-angereicherte Kunstharzbeschichtung, Nano-Coatings
    Wandbeschichtung für Reinräume: Sikagard-Wallcoat N

Antimikrobielle Beschichtungen für die RLT / Lüftungstechnik

Von Lüftungsrohren und die Klimatechnik rührt ein nicht zu unterschätzender Teil von Infektionen. Warmluft und Kaltluft, Umwälzanlagen sorgen auch in medizinischen Einrichtungen für angenehme Temperatur und Frischluft. Unregelmässig gewartete Klimasysteme hingegen sorgen durch verschmutzte Filter und Rohre für Anhäufung von Erregern, Schimmel, Pilzen Staub und deren Transport durch das ganze Gebäude. Asthma und Legionellose sind etwa Krankheiten, die durch ungewartete Klimaanlagen hervorgerufen werden können. Antimikrobielle Beschichtungen erhalten die Hygiene und bieten zudem Korrosionsschutz.
Mögliche Beschichtungen: Epoxidharz-Emulsion; Silber-Ionen/Kupfer-angereicherte Beschichtung; Verkupferte Metalle sind eine alternative Lösung, muss aber regelmässig gereinigt werden.
Antimikrobielle Beschichtung für RLT: BioShield Tech – Silver Bullet AM

Auch Instrumente und Implantate profitieren von antimikrobiellen Beschichtungen

Medizinische Instrumente und Implantate müssen absolut keimfrei sein, damit keine Infektionen im OP und während der Erholungsphase stattfinden können. Antimikrobielle Beschichtung kommen daher auch auf Operationsbesteck zur Anwendung. Neben antimikrobieller Wirkung ist Operationsbesteck hydrophob und leicht zu reinigen.
Mögliche Beschichtungen: Silber-Ionen-Nanobeschichtung, antimikrobielle Pulverbeschichtung
Beschichtung medizinische Geräte: PPG Silversan; Interpon AM Pulverlack


Antimikrobielle Beschichtungen im Gesundheitswesen in der Schweiz

Antimikrobielle Produkte für die Verwendung im Gesundheitssektor lassen sich unterteilen in: antimikrobielle Pulverlacke, antimikrobielle Additive und Nano-Beschichtungen. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über alle drei Sparten der antimikrobiellen Beschichtung sowie die wichtigsten internationalen Hersteller antimikrobieller Beschichtung/Additive.

Produzent antimikrobielle Beschichtung/ AdditiveProduktgeeignet für
AkzoNobel (Interpon)Interpon AM Pulverlackehäufig berührte Flächen, wie Türklinken etc.
PPGPPG Silversan antimikrobieller Pulverlackhäufig berührte Flächen, wie Türklinken etc.
FlowcreteFlowfresh antimikrobielle Bodenbeschichtungzementgebundene Böden
BioCoteAntimikrobielle Additiveeine Vielzahl von Beschichtungen für Klimatechnik, Böden, Wände; als Materialimplementierung

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